Schokoladenvergiftung bei Hunden und Katzen

Schokolade – sie wird von (fast) jedem geliebt und ist für Menschen höchstens ungesund. Bei Hunden und Katzen allerdings kann sie bereits in kleinen Mengen zu schweren Vergiftungserscheinungen führen. So ist alle Jahre wieder vor allem um Weihnachten und Ostern Vorsicht geboten, dass sich unsere pelzigen Freunde nicht an Weihnachtsmännern, Osterhasen und Schokokuchen vergreifen.

Auslöser

Was Schokolade für unsere Haustiere giftig macht, ist der Inhaltsstoff Theobromin aus der Kakaobohne. Dabei handelt es sich um einen Stoff aus der Gruppe der Methylxanthinalkaloide, zu denen beispielweise auch Koffein gehört. Je nach Art der Schokolade oder des Kakaoproduktes ist der Gehalt an Theobromin sehr unterschiedlich. Besonders viel Theobromin ist in Kakaopulver und Schokolade mit hohem Kakaoanteil enthalten. So finden sich in Kakaopulver ca. 14-26 mg Theobromin pro Gramm Pulver, in dunkler Schokolade 5-8 mg pro Gramm Schokolade. Bei Produkten mit einem Kakaoanteil von 70% sind es schon 20 mg pro Gramm, bei 90% Kakaoanteil 26 mg pro Gramm. Kochschokolade enthält 14-16 mg pro Gramm. Vergleichsweise gering ist dagegen der Gehalt in Milchschokolade mit 1,5-2,0 mg pro Gramm, weiße Schokolade enthält praktisch kein Theobromin.

Klinische Symptome sind ab einer Aufnahme von 20 mg Theobromin pro kg Körpergewicht des Tieres zu erwarten. Gefährdet sind daher vor allem kleine Hunde und Katzen, bei denen schon geringe Mengen reichen, um Vergiftungssymptome hervorzurufen.

Symptome

Da Theobromin auf viele Organsysteme wirkt, sind die Symptome vielgestaltig. Neben Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall können bei akuter Vergiftung vermehrter Durst und Urinabsatz, erhöhte Atemfrequenz, Hecheln,  Hyperaktivität, Muskelzittern, übersteigerte Reflexe, Überhitzung, Krämpfe, erhöhte Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen auftreten. In seltenen Fällen sind Koma und Todesfälle möglich. Chronische Vergiftungen durch Aufnahme von Theobromin über mehrere Tage können zu Herzversagen führen.

Verlauf

Das Theobromin wird im Magen-Darm-Trakt fast vollständig resorbiert. Dies kann bis zu 10 Stunden dauern. Erste Symptome werden häufig aber schon innerhalb von 2-4 Stunden nach Aufnahme beobachtet. Wenn also die Aufnahme von Schokolade festgestellt oder auffällige Symptome beobachtet werden, sollte umgehend ein Tierarzt verständigt bzw. aufgesucht werden. Denn je schneller eine Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Aussichten. Je nach Schwere der Symptome kann eine stationäre, intensivmedizinische Therapie nötig sein. Die Behandlungsdauer ist ebenfalls abhängig von Schweregrad der Vergiftungserscheinungen und Zustand des Patienten. Im Regelfall kann von ca. 12-48 Stunden ausgegangen werden.

Therapie

Für die Schokoladenvergiftung existiert kein spezifisches Gegenmittel. Die Behandlung stützt sich demnach auf eine schnelle und möglichst vollständige Entfernung des Giftstoffes aus dem Körper (Dekontamination) und weitere unterstützende Maßnahmen. Unter Dekontamination werden verschiedene Maßnahmen wie das medikamentelle Auslösen von Erbrechen bei Tieren ohne Beeinträchtigung des Bewusstseins,  Magenspülungen in Narkose bei Tieren, die nicht in der Lage sind zu erbrechen (z.B. bei Krämpfen, Bewusstseinsstörungen), die Eingabe von Aktivkohle und intravenöse Infusionen zur Steigerung der Harnproduktion und damit einer beschleunigten Ausscheidung der Giftstoffe zusammengefasst. Falls der Patient neurologische Symptome wie Krämpfe oder Kreislaufprobleme wie Herzrhythmusstörungen zeigt, müssen diese natürlich ebenfalls mit krampflösenden Medikamenten bzw. Antiarrhythmika entsprechend behandelt werden.

Prognose

Bei frühzeitiger Therapie (idealerweise innerhalb von 2-4 Stunden nach Aufnahme) ist die Prognose sehr gut, die Patienten erholen sich in der Regel vollständig. Wenn größere Mengen aufgenommen wurden, die Therapie verzögert eingeleitet wird oder bei fortgeschrittener, schwerer Symptomatik ist die Prognose vorsichtig.

© Dr. Nina Bitzinger, Fachtierärztin für Kleintiere, AniCura Kleintierspezialisten Augsburg, Februar 2018