Was macht eigentlich ein Tierklinikmanager?

Seit März 2016 arbeitet Jörg Bentele bei den AniCura Kleintierspezialisten Augsburg im Klinikmanagement. Er wird bei seiner Verwaltungstätigkeit in der 60 Mitarbeiter starken Klinik tatkräftig von drei Kolleginnen unterstützt. Auch wenn er eigentlich einen kaufmännischen Hintergrund hat, so ist ihm die Arbeit mit Tierärzten und Tierhaltern nicht fremd. Welche Aufgaben seinen abwechslungsreichen Arbeitsalltag bestimmen und welche Schwierigkeiten diese manchmal mit sich bringen, erzählt er im Interview.

AniCura Mitarbeiter im Interview:
Jörg Bentele, AniCura Kleintierspezialisten Augsburg

Was sind Ihre Aufgabengebiete als Klinikmanager? 

Die Aufgaben eines Klinikmanagers sind sehr vielfältig:
Viele meiner Aufgaben betreffen insbesondere die Mitarbeiter der Klinik. So bin ich beispielsweise zuständig für die Bearbeitung von Krankmeldungen oder  auch das Führen von Vorstellungs- und Mitarbeitergesprächen. Hinzu kommt die Erstellung von Arbeitsverträgen und Dienstplänen, sowie die Vorbereitungen zur Gehaltsabrechnung. Zudem sorge ich für das leibliche Wohl der Mitarbeiter, ich organisiere  alles rund um das monatliche Mitarbeiterfrühstück, ebenso wie beispielsweise den Nachschub für Kaffee und Milch. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt in der allgemeinen Organisation und Verwaltung. Rechnungen müssen zum Beispiel geprüft und kontiert werden, Termine mit externen Dienstleistern koordiniert werden. Geschäftsführer und Oberärzte treffen sich regelmäßig zu Besprechungen, auch hier bin ich aktiv involviert. Wenn Fortbildungen oder Betriebsfeste stattfinden, dann werden diese von mir mitorganisiert und ich fungiere als Ansprechpartner auch für externe Kooperationspartner.

Haben Sie aufgrund Ihrer Schnittstellenfunktion zwischen Geschäftsführern und Mitarbeitern auch eine Seelsorgerfunktion?

Auch, wobei ich sagen muss, etwas mehr für die Tierärzte als für die Helferinnen, da sich diese eher an die leitende Helferin hier im Haus wenden. In solchen Fällen ist es wichtig zu vermitteln, dass das Gespräch vertraulich ist. Letztlich ist es dann die Entscheidung des Mitarbeiters, welche Informationen weitergegeben werden.

Ist diese Stelle die erste berufliche Erfahrung, die Sie in der Tiermedizin machen?

Jein, mein Vater ist Tierarzt und hatte eine Gemischtpraxis, wobei der Schwerpunkt auf den Großtieren lag. Meine zwei Brüder sind auch Tierärzte, beide haben in der väterlichen Praxis gearbeitet, wobei der eine heute hier in der Klinik einer der Geschäftsführer ist und der andere die Praxis unseres Vaters übernommen hat. Insofern bin ich von zuhause gewöhnt mal ans Telefon zu gehen, seinerzeit auch Medikamente abzugeben, oder auch mal in der Kleintiersprechstunde zu helfen. Von daher hatte ich schon früh Berührungspunkte mit der Tiermedizin, diese waren aber nicht wirklich beruflicher Natur.

Warum haben Sie sich, im Gegensatz zu ihren Brüdern, gegen die Tiermedizin entschieden?

Für mich war die Klientel immer schwierig. Gerade in der Großtierpraxis spielt in der heutigen Zeit die Kosten-Nutzen-Relation eine große Rolle und das macht die Behandlung von kranken Tiere nicht immer einfach. Letztlich fühlte ich mich dazu einfach nicht berufen.

Wofür haben Sie sich stattdessen beruflich entschieden?

Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und war dann 18 Jahre bei Weltbild tätig bis die Firma insolvent ging. Ich war dort im Customer-Care-Center-Bereich tätig und habe als Gruppenleiter für Personal 250 Mitarbeiter verwaltet. Zudem war ich dort als stellvertretender Leiter des Beschwerdemanagements und im Projektmanagement tätig.  Aufgrund der Insolvenz habe ich, wie so viele andere auch, meinen Job verloren und stand dann auf der Straße. Dieses Stellenangebot kam dann relativ überraschend. Meine Vorgängerin hat innerhalb der Probezeit gekündigt und wir hatten dann nur noch 14 Tage für die Übergabe und Einarbeitung Zeit.

Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn sind für Sie heute im Klinikmanagement besonders nützlich? 

Gerade die Tätigkeit mit Personal kommt mir natürlich zu Gute. Ich durfte damals auch einige Lehrgänge besuchen. Wenn man 18 Jahren lang mit Menschen zu tun hat, dann nimmt man da seine Erfahrungen mit und kann diese natürlich auch nutzen.

Gibt es Aufgaben, die Ihnen manchmal den Arbeitsalltag erschweren? 

Ja, die Dienstpläne der Mitarbeiter. Auch bei meinem bisherigen Job habe ich Einsatzpläne für die Mitarbeiter erstellt, aber hier ist es ganz anders. Es muss so vieles beachtet werden, dass macht die Sache schon kompliziert. Der Ausfall eines Mitarbeiters verändert alles.

Oft steht der Dienstplan und jemandem ist eingefallen, dass er doch noch Urlaub möchte. Dies führt dazu, dass ich wieder alles über den Haufen werfen muss, dann ändert sich ja nicht nur dieser eine Mitarbeiter, da hängen ja dann noch Nachtdienste und Ausgleichstage mit dran – also das macht die Sache dauerhaft schwierig. Softwareunterstützung wäre diesbezüglich hilfreich.

Was macht ihren Job spannend?

Die Mischung von kaufmännischer und medizinischer Tätigkeit hier in der Tierklinik finde ich sehr reizvoll und spannend. Die Vielfältigkeit, dass ich so viele unterschiedliche Dinge machen darf. Außerdem kann ich sehr selbständig agieren, das ist schon ein großer Gewinn, aber auch eine Herausforderung.

Die Vielzahl an Aufgaben führt sicher auch mal zu Stress, haben Sie einen Tipp zum Umgang mit Stress im Berufsalltag?

Ich unterscheide zwischen positivem und negativem Stress. Positiver Stress macht mir in der Regel nichts. Ich denke, wenn man gefordert wird und dann auch positives Feedback bekommt, dann ist es ok. Klar gibt es auch mal Momente, wo man sagt – es steht einem bis zum Hals, dann tut es mir ganz gut wenn ich mit Kollegen reden kann. Die Probleme und den Stress mit nach Hause zu nehmen ist oft ein bisschen schwierig, denn da fehlt das Verständnis – die kennen die Abläufe nicht.

Wie entspannen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich habe so eine Art Pflegehund mit dem ich jeden Tag Gassi gehe, das macht den Kopf ein bisschen frei. Wenn das Wetter wieder besser ist, dann bin ich gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Ansonsten koche und backe ich ganz gerne am Wochenende, da kann man auch abschalten und entspannen.

                                     Tierklinikmanager

Ihr Statement zu AniCura?

Ich bin sehr unvoreingenommen ran gegangen. Ich weiß von manchen, die ein bisschen Bauchweh hatten, aufgrund möglicher Veränderungen. Ich habe nur positive Erfahrungen mit dem Übergang gemacht, ich kann natürlich auch nicht sagen wie es vorher war. Im März habe ich angefangen und im April war dann schon der Übergang zu AniCura. Ich denke es ist gut einen starken Partner an der Seite und Ansprechpartner bei bestimmten Problemen zu haben. Meine Erfahrungen sind positiv, ein starker Partner mit starken Werten und das macht die Sache richtig gut.

© Jörg Bentele, Tierklinikmanager, AniCura Kleintierspezialisten Augsburg