Die Tiermedizinische Fachangestellte Vorurteil vs. Realität

Mein Name ist Stefanie Härtel, seit 1998 arbeite ich als Tierarzthelferin. Von 1998 bis 2007 war ich in einer Kleintierpraxis in Düsseldorf tätig, seit 2007 bin ich in der Tierärztlichen Klinik vom Bökelberg, Mönchengladbach (seit 2016 AniCura Tierärztliche Klinik vom Bökelberg) angestellt.

"Tierarzthelfer": Vorurteile

Sprechstundenhilfe, Seelsorger, Frauenberuf und Putzhilfe.......oder?

Was macht ein/e Tiermedizinische/r Fachangestellte (TMFA) so den ganzen lieben Tag? Sind sie wirklich nur da, um Tische zu putzen, Tiere zu streicheln oder mit vielen netten, aber auch teils sehr emotionalen Patientenbesitzer zu kommunizieren?

Immer wieder werden wir als Sprechstundenhilfe betitelt, doch wir sind weitaus mehr als das.

Wie oft kommt es vor, dass wir von Patientenbesitzern maßlos unterschätzt werden? Beim Telefonat beginnt das Gespräch beispielsweise mit „Ich würde gerne einen Arzt sprechen“. Doch auch wir haben eine Ausbildung hinter uns und können viele fachliche Fragen auch sehr gut beantworten.

Was leistet ein/e TMFA denn nun wirklich über das vorherrschende Bild hinaus? Neben der beratenden Tätigkeit an der Anmeldung oder am Telefon sind wir oft die erste Anlaufstelle bei Beschwerden. Für uns oft unverständlich, dass manche Patientenhalter bei uns eher ungehalten und laut sind und sich beim Gespräch mit dem Tierarzt sehr zurück nehmen. Trotzdem sind wir natürlich freundlich, denn wir wissen das der Ärger meist mit der Sorge um das eigene Tier zusammenhängt und bestimmt nicht persönlich gemeint ist.

Sind wir bzw. unsere Tätigkeit weniger Wert, als die eines Tierarztes? Nein, natürlich nicht! Ich bin der festen Überzeugung und denke es ist unumstritten, dass eine Praxis oder Klinik ohne TMFA nicht funktionieren kann. Letztendlich ist es natürlich die Zusammenarbeit von Arzt und Helfer, die den Erfolg eines Betriebes ausmacht. Jeder Teil des Teams ist auf seine Weise und mit seinem Tun ein unverzichtbares Bindeglied einer Tierklinik oder Tierarztpraxis.

Viele Leute denken, unser Beruf sei ein typischer Frauenberuf, doch gerade in den letzten Jahren können sich auch immer mehr männliche Kollegen für den Beruf des TMFA begeistern. Schließlich ist in unserem Beruf auch oft genug technisches Geschick, körperliche Kraft und wissenschaftliches Interesse gefragt. Möglicherweise reizt es aber ja den ein oder anderen auch, einmal der Hahn im Korb zu sein 🙂

Tiermedizinische Fachangestellte: Realität

Organisationstalent, Raubtierbändiger, OP-Assistenz, Anästhesist, Labormitarbeiter
        TMFA

Wie sieht unser Aufgabenspektrum denn nun konkret aus?

TMFAs nehmen den Ärzten viel ab, sie erheben Anamnesen, nehmen Blut ab, legen Venenzugänge, fertigen selbstständig Röntgenbilder an, betreuen die stationären Patienten, kümmern sich um die Laboruntersuchungen und wenn ein wenig Zeit bleibt, verteilen sie auch gerne mal die ein oder andere Streicheleinheit. Eine der wichtigsten Aufgaben ist sicherlich die zuverlässige und fachgerechte Fixation von nicht immer ganz so kooperativen Patienten. Tagtäglich schützen wir die Tierärzte und auch die Tierbesitzer vor angriffslustigen Vierbeinern und müssen im Rahmen dessen auch oft genug selbst Verletzungen einstecken.

Wir sind für viele organisatorische Abläufe zuständig, beispielsweise bestellen wir Medikamente, Futter und Verbrauchsartikel. Wir erstellen Dienstpläne, sind für die Ausbildung der Azubis zuständig und kommunizieren zwischen TMFAs und Arbeitgebern. Dies alles machen wir parallel zu unseren anderen „klassischen“ Aufgaben. Wir TMFAs im OP nennen uns auch gerne die „Miniärzte“, denn wir sind für die Anästhesiedurchführung und -überwachung, Zahnbehandlungen wie z.B. der Zahnsteinentfernung zuständig. Auch das Aufbereiten von Bestecken und das Autoklavieren (steril machen) gehören zu unseren Aufgaben. Zudem unterstützen wir die tierärztlichen Kollegen tatkräftig bei der Durchführung von CT- und MRT-Untersuchungen. Natürlich fallen auch extrem viele Putzarbeiten an. 

       TMFA 2

Aufstiegsmöglichkeiten?

Als motivierte/r TMFA hat man durchaus die Chance aufzusteigen, Voraussetzung dafür ist, dass die Klinikleitung dies unterstützt und gut heißt. Weiterbildungen sind zum/r Physiotherapeuten/in, oder auch zum/r Klinikmanager/in möglich. Zudem ist es möglich, durch Fortbildungen Schwerpunkte im favorisierten Einsatzgebiet zu setzen, was eher in größeren Betrieben möglich ist. Dies könnten beispielsweise Fortbildungen in der Anästhesie, Zahnbehandlung, Futtermittelberatung oder Labor sein. Ebenso gibt es Entwicklungsmöglichkeiten im administrativen Bereich, beispielsweise eine Weiterbildung im Bereich des Praxismanagements oder der Kommunikation.

Fazit

Im Großen und Ganzen wird der Beruf des/der TMFA unterschätzt, man trägt Verantwortung, leistet körperlich und seelisch viel, man ist die rechte Hand eines Tierarztes. Gerade als leitende/r TMFA ist man oft der Buhmann, da man Dinge beim Chef oder auch bei Teamkollegen anspricht, die nicht so laufen wie sie sollten. Man könnte zu diesem Thema noch so viel schreiben.

Der Beruf des/der TMFA ist sehr umfangreich und abwechslungsreich und auch nach vielen Jahren Berufserfahrung lernt man Tag für Tag noch dazu. Man darf ihn aber was beispielsweise Arbeitszeiten angeht, nicht unterschätzen und was das Gehalt angeht nicht überschätzen, was diesen vielseitigen Beruf leider für viele Interessenten unattraktiv macht. Man arbeitet  viel und gibt viel Freizeit auf. Gerade in Kliniken müssen 365 Tage von Ärzten und TMFA abgedeckt sein, das heißt es gibt sowohl regelmäßige Nacht und Wochenenddienste und auch Dienste an Feiertagen

So anstrengend der Beruf auch manchmal ist, gibt es auch sehr viele schöne Seiten. Ich übe nach wie vor meinen Beruf gerne aus und würde mich wahrscheinlich auch wieder für diesen Beruf entscheiden.

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Ausbildungsberuf der Tiermedizinischen Fachangestellten

Seit der neuen Verordnung zur Berufsausbildung, die 2006 umgesetzt wurde, hat sich neben veränderten Ausbildungszielen auch die Berufsbezeichung von ehemals „Tierarzthelfer/in“ in „Tiermedizinische/r Fachangestellte/r“ geändert. Während der Ausbildungszeit arbeitet man meist schon tatkräftig im Team mit und verbringt ein bis zwei Tage pro Woche in der Berufsschule. Die Ausbildungsdauer beträgt 3 Jahre, eine Ausbildungsverkürzung ist bei Abitur, guten Noten während der Ausbildungszeit und einem willigen Chef auf 2 Jahre möglich.

© Stefanie Härtel, Tierarzthelferin, AniCura Tierärztliche Klinik vom
    Bökelberg