cuki

Die Lösung der Probleme von Cuki dem Yorkshire Terrier

Cuki, ein 5,5 Jahre alter Yorkshire Terrier, wurde vor zwei Jahren beim Neurologie Team eines AniCura Standortes vorgestellt, da er seit fünf Tagen ein unnormales und sehr wackeliges Gangbild der Hinterbeine zeigte. Vom Haustierarzt hatte er deshalb bereits Kortikosteroide (Kortison) und Schmerzmittel bekommen. So haben wir ihn behandelt.

Die klinische Untersuchung ergab einen beidseitigen Hornhautdefekt und eine reduzierte Tränenproduktion. Die neurologische Untersuchung zeigte einen breitbeinigen und zittrigen Gang, besonders der Hinterbeine. In beiden Hinterbeinen war er unkoordiniert (Ataxie) und er zog sein rechtes Hinterbein leicht nach (Parese). Die Bewegungen in seinen Vorderbeinen erschienen übertrieben (Hypermetrie). Die Propriozeption der Pfoten (z.B. Drehen der Pfote, was normalerweise sofort vom Tier korrigiert wird) fehlte in den Hinterbeinen und war im rechten Vorderbein stark reduziert. Reflexe und Muskelkraft der Hinterbeine waren schwach.

Wir untersuchten auch die Kopfnerven. Bei Berührung der Augenlider war sowohl sein Empfinden reduziert, als auch seine Fähigkeit seine Augen komplett zu schließen. Zudem war die linke Pupille größer als die rechte und sie reagierte weniger auf Lichtreize. Cuki reagierte stark auf das Durchtasten seines unteren Halses.

Das Problem wurde multifokal lokalisiert, also an mehreren Stellen des Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Die wahrscheinlichste Ursache war eine Entzündung des Nervensystems (steril/immunvermittelt oder infektiös) oder ein Lymphom. Das ist eine Tumorform, die im ganzen Körper auftreten und das Nervensystem an verschiedenen Stellen betreffen kann.

Eine Blutuntersuchung ergab keine Indikation der zugrundeliegenden Ursache. Es wurde eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und der Wirbelsäule sowie eine Untersuchung der CSF (Cerebrospinalflüssigkeit/ Hirnwasser) unter Vollnarkose durchgeführt. Die MRT zeigte mehrere Schäden des Nervensystems (erhöhte Signalintensität in T2 gewichteten Bildern und eine teilweise Kontrastverstärkung). Eine leichte Blutbeimengung, ein erhöhter Eiweißwert, sowie eine erhöhte Anzahl an Entzündungszellen lagen bei der CSF Untersuchung vor. Eine Überprüfung der CSF auf die häufigsten Infektionserreger (Toxoplasmose, Neosporose und Staupe) war negativ. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde eine sterile Entzündungs-/immunvermittelte Krankheit des Nervensystems (Gehirn, Rückenmark, Trigeminusnerv) vermutet.

Diese Art der Entzündung wird auch Meningoenzephalitis unbekannter Genese (MUO) genannt. Die genaue Ursache ist unklar, es können keine Infektionserreger bestätigt werden und die Patienten sprechen auf eine immunosuppressive/ immunmodulatorische (das Immunsystem regulierende) Behandlung an. Manche Hunderassen wie Yorkshire Terrier scheinen dafür sehr empfänglich zu sein. Für eine endgültige Diagnose wäre eine Biopsie nötig, jedoch basiert die Diagnose in den meisten Fällen auf den MRT und CSF Ergebnissen.

Es werden mehrere Formen von MUO beschrieben. Jedoch ist eine Beteiligung des Trigeminusnervs, wie bei Cuki, ungewöhnlich. Daher wurde eine immunvermittelte Entzündung des Gehirns (Encephalitis), des Rückenmarks (Myelitis) und des Trigeminusnervs (trigeminale Neuritis) vermutet. Die Tatsache, dass MRT Veränderungen des Gehirns und des Rückenmarks relativ mild waren, kann mit der Vorbehandlung mit Kortikosteroiden erklärt werden. Wenn Patienten vor einer diagnostischen Untersuchung mit Kortikosteroiden  behandelt werden, kann das MRI und CSF unauffällig sein und eine vollständige Diagnose ist nicht länger möglich. In Fällen einer CNS Entzündung kann eine Behandlung mit Steroiden sogar kontraindiziert sein. Daher wird dringend empfohlen, vor einer diagnostischen Untersuchung keine Kortikosteroide anzuwenden.

Cuki wurde stationär aufgenommen und eine Behandlung mit dem immunmodulatorischen Medikament Cytosin Arabinosid begonnen. Zusätzlich wurde die Kortikosteroid-Dosis erhöht und mehrmals täglich Augentropfen verabreicht. Er sprach gut auf die Behandlung an und sein neurologischer Zustand verbesserte sich. Anfangs wurden alle drei Wochen Cytosin Arabinosid Spritzen (vier Spritzen unter die Haut in einem Abstand von 12 Stunden) verabreicht. Regelmäßige klinische Untersuchungen und Blutuntersuchungen versicherten, dass die Medikamente keine Nebenwirkungen hatten. Ein weiteres MRT nach acht Monaten zeigte eine Besserung und eine CSF Untersuchung war unauffällig.

Über die letzten zwei Jahre wurden die Intervalle der Cytosin Arabinosid-Spritzen erfolgreich verlängert und die Steroiden-Dosis reduziert. Aktuell erhält Cuki alle sechs Wochen Cytosin Arabinosid sowie eine sehr niedrige Dosis Prednisolon und mehrmals täglich Augentropfen. Er ist neurologisch nahezu unauffällig und hat eine gute Lebensqualität. Cuki erwartet eine lebenslängliche Behandlung, da es für diese Art von Entzündung keine endgültige Heilung gibt. Das Ziel ist es, die Erkrankung mit so wenigen Medikamenten in so niedriger Dosierung wie möglich zu kontrollieren.

Krankheiten wie diese erfordern nicht nur angemessene Diagnostik und Therapie, sondern auch einen starken Einsatz der Besitzer durch die Langzeitbehandlung. Manche Fälle enden trotz großer Anstrengungen tödlich aber vielen Hunden, wie Cuki, kann geholfen werden.

 

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