Die Katze - der (un)mögliche Physiotherapiepatient?!

Beim Mensch nicht mehr wegzudenken, beim Hund häufig erfolgreich angewandt: physiotherapeutische Behandlungen. Unter anderem zur Verminderung von Schmerzen des Bewegungsapparates, Unterstützung und Verkürzung der Heilungszeit nach operativen Eingriffen und Aufbau von Muskelmasse. (1)

Vor allem Hunde und Pferde stehen im Fokus der Physiotherapie. Im Herzen deutscher Haustierhalter findet jedoch noch eine Vielzahl weiterer Tiere Platz. Allen voran die Katze, die, laut einem Artikel der süddeutschen Zeitung (04.06.2014), mit ca.11,5 Millionen Tieren in 19 Prozent der Haushalte die häufigste Tierart ist Trotzdem fällt die Katze oft aus dem Radar der physiotherapeutischen Behandlungsangebote.

„Ein Katzen-Patient ist kein Hunde-Patient, Punkt. A feline patient is not a canine patient, period.” (4)

Dieses einfachen und wahre Zitat von Mary Ellen Goldberg (Canine Rehabilitation Institute, Wellington, FL) (4) drückt aus, dass zwischen Katze und Hund als Physiopatienten durchaus ein Unterschied besteht. Was aber nicht bedeutet, dass die Katze kein möglicher Physiopatient ist. Man muss jedoch ihr einzigartiges Katzenwesen verstehen und sie entsprechend um ihre Kooperation bitten (4). Auch der Katzenalltag nach Operationen oder mit degenerativen Gelenkserkrankungen kann mit kleinen Tipps und Tricks angenehmer für die Samtpfoten gestaltet werden.

Problem: Tierarztbesuch mit der Katze

Der Tierarztbesuch selbst stellt für den beliebten Stubentiger, wie auch für Herrchen und Frauchen, in den meisten Fällen schon einen großen Stressfaktor dar. Muss die Katze gegen ihren Willen ihre gewohnte Umgebung verlassen, wird dazu in einen schaukelnden Korb gesteckt, löst dies oft Stress und Angst aus. Trotzdem darf die tierärztliche Versorgung der Katze nicht vernachlässigt werden und viele Tierarztpraxen, sowie -kliniken, legen großen Wert auf eine möglichst katzenfreundliche Umgebung. Ein Beispiel hierfür ist eine Initiative von Royal Canin und dem Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt). ‚Service Plus für Katzen‘ wurde ins Leben gerufen, um den Tierarztbesuch für Besitzer und Katze in Zukunft angenehmer zu machen. „Denn Katzen sind keine kleinen Hunde“ (5). Auf der website finden Sie auch in einer Übersicht alle Tierärzte, die bei dieser Initiative teilnehmen und zertifiziert sind. Nach operativen Eingriffen oder bei älteren Tieren mit orthopädischen Problemen ist die Toleranz, weitere Ausflüge unter Stresssituationen zu unternehmen, bei allen Beteiligten oft sehr gering. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch die Katze von den Möglichkeiten der Tierphysiotherapie profitieren kann.

Katzenfitness fördern

Um die Katze so lange so fit wie möglich zu halten, kann an vielen Stellen angesetzt werden. Neben einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, muss auch dem natürliche Bewegungs- und Spieldrang der Katze nachgekommen werden. Freigängerkatzen befriedigen diese Bedürfnisse meist selbst in der freien Natur. Katzen in reiner Wohnungshaltung, oder mit eingeschränktem Freigang, sind auf ein breites Beschäftigungsangebot durch die Besitzer angewiesen. Hier bietet der Heimtierhandel ein sehr breites Angebot. Bei der Auswahl kann man sich ganz auf die Vorlieben der Samtpfoten einlassen. Wichtig ist nur, dass keine Kleinteile verschluckt werden, oder Verletzungsgefahr, zum Beispiel durch Strangulation, besteht. Auch älteren Tieren kann mit regelmäßigen Spieleinheiten eine große Freude bereitet werden.  Um die Beweglichkeit zu erhalten / fördern stellen zum Beispiel Angel-Spiele eine ideale Möglichkeit dar. Ist die Katze in ihrer Sehkraft eingeschränkt oder gar blind sind, freut sie sich eventuell über Möglichkeiten, mir ihrer Nase Leckerli zu suchen und somit „Beute“ erlegt zu haben. Diese bedarfs- bzw. therapiegerechte Beschäftigungsmethoden sind auch Teil der tierphysiotherapeutischen Behandlung und werden Ihnen ausführlich erklärt.

Wann ist denn aber nun ein Tierarztbesuch notwendig?

Ändert die Katze ihre Lebensgewohnheiten drastisch, sollte immer auch über ein gesundheitliches Problem nachgedacht werden.  Zum Beispiel:

Neben offensichtlichen Problematiken wie gut sichtbaren Lahmheiten, sind diese beispielhaften Verhaltensänderungen ein guter Indikator, um ein Unwohlsein des Stubentigers auszumachen. Je genauer hier eine Diagnostik durchgeführt werden kann, umso schneller kommt man meistens ans Ziel: welches Problem hat meine Katze und was kann ich dagegen tun.

Der Transport zum Tierarzt 

Wie bereits beschrieben für die meisten Katzen großer Stress. Deshalb liegt es nahe, die Frequenz der Transporte so gering wie möglich zu halten. Arbeitet in der behandelnden Tierarztpraxis ein qualifizierter Tierphysiotherapeut/-in, kann die physiotherapeutische Behandlung direkt mit dem notwendigen Tierarztbesuch verbunden werden. Auch Hausbesuche können eine Alternative darstellen und werden häufig angeboten.

Die Behandlung durch den Tierpyhsiotherapeuten und Hausaufgaben

Nicht nur der medizinische Zustand der Katze ist entscheidend. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Besitzer kann die Therapeutin / der Therapeut die Katze sehr gut kennenlernen. Während dieser Zeit kann der Katze zum Beispiel die Möglichkeit gegeben werden, den Behandlungsraum frei und auf eigene Faust zu erkunden. Störende Reize (z.B. Hundegebell) sollten möglichst vermieden werden.

Manuelle Therapien, wie Massagen oder passive Range of Motion (Beweglichkeits-) Übungen werden in einer möglichst ruhigen und stressfreien Umgebung besser akzeptiert. Da Massagen, neben den mechanischen und physiologischen Effekten auch einen gewissen psychologischen Effekt haben, eignen sie sich ideal als Hausaufgaben für den Besitzer, nach einer fachkundigen Einweisung.

Die Auswahl der aktiven Bewegungsübungen während der Therapieeinheit, wird individuell gestaltet. Auch hier lassen sich viele Übungen mit Spiel und Spaß in den Alltag zuhause integrieren. Die Beziehung zwischen Tier und Mensch wird noch intensiver und inniger. Fast unbemerkt für das sensible Katzenwesen findet so ein tägliches Training statt.

Die physiotherapeutische Behandlung lebt von der konsequenten und intensiven täglichen Therapie zuhause.

Katzen geben nur sehr ungern zu, wenn ihnen etwas weh tut. Auch hier ist der Einsatz von Herrchen und Frauchen gefragt. Von dem erfahrenen Therapeuten/-in speziell ausgearbeitet Fragebögen zeigen die Entwicklung im Laufe der Therapie. Hier kann es zum Beispiel um die Nutzung des Kratzbaums, Auswahl der Schlafplätze oder die Nutzung der Katzentoilette gehen.  In regelmäßigen Gesprächen mit Ihrem Tierphysiotherapeuten / Ihrer Tierphysiotherapeutin wird mit Hilfe dieses Fragebogens der Therapieplan gegebenenfalls umgestellt und ergänzt. Außerdem hilft der Fragebogen auch, kleine Veränderungen im felinen Alltag durchzuführen. Wenn die Gelenke schmerzen kann zum Beispiel der Einstieg in die Katzentoilette erleichtert werden, indem eine Seite eingeschnitten wird. Gleichzeitig wird die Gefahr von Sekundärerkrankungen reduziert, wie zum Beispiel Blasenproblemen durch Harnverhalten.

Fazit

Auch eine Katze profitiert also von einer physiotherapeutischen Behandlung. Es existieren nur spärliche Daten über die Effekte von physikalischen Therapien bei Katzen. Meist handelt es sich um extrapolierte Daten aus der Humanmedizin oder von Hunden. Trotz speziesspezifischer Unterschiede basieren die meisten physiotherapeutischen Behandlungsmethoden auf einer Modulation physiologischer Gewebeheilungsprozesse (2). Unter anderem zur Behandlung chronischer Schmerzen, Optimierung von Funktion und Bewegungsausmaß der Gelenke sowie Erhalt bzw. Wiederherstellung der physiologischen Aktivität (3).

Meine Erfahrung (auch bei meinen eigenen Fellnasen zuhause) zeigt eindeutig, wie sehr Katzen von den Behandlungen durch die tierphysiotherapeutische Behandlung und zuhause profitieren. 

Quellen

© Vera Moser