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„Boefje“- Ein Kaninchen, das nicht fressen wollte

So viel Freude ein Kaninchen auch macht, manchmal sind sie eine Herausforderung für Ihre Besitzer und ihre Tierärzte. Denn sie haben nicht viele Möglichkeiten um zu zeigen wenn etwas nicht stimmt. „Nichtstun“ ist die häufigste Art der Beschwerde. Das ist kein wirklich aussagekräftiger Startpunkt für die weitere Diagnostik. Zum Glück gibt ein Tierarzt nicht so leicht auf.

Wenn es einem Kaninchen nicht gut geht, dann sucht es normalerweise keine Aufmerksamkeit. Es ruft oder winselt nicht, hat sehr selten Durchfall und muss sich nicht übergeben. Also, was kann es machen? Nichts. Und Kaninchen sind wirklich gut darin. 

Eines dieser Kaninchen ist Boefje (Niederländisch für „kleiner Schlingel“). Er ist ein männliches Schlappohrkaninchen, das mit seiner Besitzerin in einer Wohnung wohnt. Er wird liebevoll umsorgt, bekommt gutes Futter, jährliche Impfungen und kuschelt gerne mit seiner Besitzerin. Vor etwa zwei Jahren entwickelte er Probleme beim fressen. Er hatte kein Interesse mehr an seinem Futter und wurde lethargisch. Zwei sehr häufige Zeichen bei Kaninchen für fast jede Krankheit. 

Zu Beginn war sein Zustand nicht so schlimm und mit Zufütterung durch die Besitzerin sowie pflanzlichen Medikamenten ging es ihm besser. Leider kamen die Probleme aber immer wieder zurück und weitere Untersuchungen wurden beim Haustierarzt durchgeführt. Trotz der Untersuchungen wurde keine Erklärung gefunden. Auch das kommt bei Kaninchen relativ häufig vor. 

Boefje wurde daher an eine Anicura Klinik überwiesen. Eine übliche erste Maßnahme bei uns ist das Überprüfen der Zähne. Die Zähne von Kaninchen wachsen (im Gegensatz zum Menschen) ihr ganzes Leben lang weiter. Um Zahnprobleme zu verhindern, brauchen sie besonders raues Futter, das die Zähne abwetzt. Wenn sie nicht genug oder ungleichmäßig abgenützt werden, können sich sehr schmerzhafte Spitzen bilden. Der Schmerz kann so schlimm werden, dass die Tiere aufhören zu fressen. 

Im Wachzustand werden sowohl die Schneidezähne als auch die Backenzähne so gut wie möglich überprüft. Wie auch bei Hunden oder Katzen ist eine vollständige Untersuchung der Zähne im Wachzustand nicht durchführbar. Um Probleme innerhalb des Mauls auszuschließen haben wir Boefje also sediert und vorallem seine Backenzähne überprüft. Dabei haben wir keine großen Probleme gefunden, aber die Zähne trotzdem ein wenig gekürzt und einige kleinere Spitzen entfernt. Danach ging es Boefje einige Monate lang gut. 

Bei seinem nächsten Rückfall war es Zeit für den nächsten Schritt. Denn Zähne verursachen nicht nur Probleme innerhalb des Mauls, sondern auch ihre Wurzeln können zu Problemen führen können. Beim Vereinbaren eines Termins zum Röntgen von Boefjes Zähnen erwähnte die Besitzerin, dass Boefje seinen Kopf häufiger schüttelt als sonst. Als wir dann seine Ohren erneut überprüften, fanden wir Krusten in der Nähe der Stelle, wo das Trommelfell sein sollte. 

Bei einem Aufklärungsgespräch wurde der Besitzerin statt eines Röntgenbilds ein CT-Scan  angeraten. Mit einem CT können wir die Zähne inklusive Wurzeln sowie die Knochenstrukturen des Kiefers überprüfen und gleichzeitig einen Blick auf die Ohren und Mittelohren werfen. 

Mittelohrprobleme kommen bei Kaninchen häufig vor. Ist das Problem einseitig, dreht das Kaninchen oft den Kopf in die Richtung der betroffenen Seite. Mittelohrprobleme können das Trommelfell zu platzen bringen und sich auf das äußere Ohr ausweiten. Während Mittelohrprobleme eher subtil (manchmal gar keine Zeichen) bis schwerere Auswirkungen haben, verursachen Probleme des äußeren Ohrs Juckreiz und Schmerzen, die dazu führen, dass das Kaninchen seinen Kopf schüttelt. Die Besitzerin stimmte einem CT-Scan zu.

Bei der Auswertung des CT-Scans wurde das Problem schnell klar. Beide Mittelohren waren entzündet und mit einer dichten Substanz gefüllt (Verdacht auf Eiter). Die externen Ohren waren ebenfalls entzündet. Da beide Seiten betroffen waren, war keine Kopfdrehung zu beobachten. Der dadurch ausgelöste Schmerz war wahrscheinlich über den langen Zeitraum der Auslöser der wiederkehrenden Symptome.

Boefje erhielt eine passende medizinische Behandlung für seine Entzündungen und es geht ihm viel besser. Es gibt nun eine realistische Chance, dass die Verbesserung seines Zustands länger anhält als zuvor. 

 

©Anicura