Blutabnahme beim Tierarzt - was passiert im Labor?

Vor einiger Zeit erreichte uns der Anruf einer sehr besorgten Dame. Ihre 11-Jährige Katze Britta sei so dünn geworden, obwohl sie gut frisst und so eigentlich ganz munter erscheint. Da die Katze ja nun doch schon einem etwas älteren Semester angehört, haben wir mit Frauchen vorsorglich einen Untersuchungstermin vereinbart.

Pünktlich zum vereinbarten Termin erschien das Frauchen zusammen mit Katzendame Britta. Die klinische Untersuchung (Auskultation des Herzens, Abtasten des Bauches, Fieber messen, etc..) ergaben keine besonderen Befunde. Nur die Öhrchen wiesen eine leichte Verschmutzung auf. Da vorberichtlich erwähnt wurde, dass die Katze trotz gutem Allgemeinbefinden und guter Futteraufnahme abnimmt, empfahl die diensthabende Tierärztin, dass man vorsichtshalber eine Blutabnahme mit anschließender Blutuntersuchung durchführen sollte. Gerade Katzen im etwas höherem Alter neigen gerne mal dazu eine Schilddrüsenüberfunktion zu entwickeln. Zusätzlich zu einer Schilddrüsenuntersuchung sollten die organischen Werte und ein Blutbild erstellt werden.

Blutabnahme Katze - der Weg bis zum Ergebnis 

Alle benötigten Werte können bei uns im hauseigenen Labor durchgeführt werden, sodass innerhalb einer halben Stunde alle Ergebnisse vorliegen und wir bei einem kritischen Zustand des tierischen Patienten schnell handeln können.

Blutabnahme bei einer Katze
     Vorbereitung

Für die Blutentnahme wird folgendes benötigt:
Einmalhandschuhe, Staustrick, Sterile Einmalkanüle, Alkohol (Cutasept), Blutröhrchen (EDTA, Lithium Heparin), Tupfer 

      Halten

Das Halten (Fixieren) der Katze
Meist sieht das Fixieren der Katze für Tierhalter etwas rabiat aus, dient aber zum Schutz vor Verletzungen bei Mensch und Tier. Jede Tiermedizinische Fachangestellte hat hier ihre eigene Vorgehensweise. Ich persönliche habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit dieser Variante die Katzen am besten händeln kann. Ich habe alle Körperteile sicher im Griff und kann zeitgleich das Beinchen unterstützend zur Blutabnahme fixieren.

Sobald die Katze sicher in meinen Armen ist, bringt der Tierarzt den Staustrick/Stauschlauch oberhalb des Ellbogengelenkes an. 
      Hautdesinfektion

Reinigung und Desinfektion der Entnahmestelle
Die Entnahmestelle wird mit einem Hautantiseptikum gesäubert und desinfiziert. Es soll verhindert werden, dass Keime in die Blutbahn der Katze gelangen.

      Einstich

Einstich in das Blutgefäß
Der Tierarzt tastet erst mit dem Finger nach dem dünnen Blutgefäß und sticht dann mit der sterilen Einmalkanüle in selbiges. 

      Blutentnahme

Die Blutabnahme
Anders als beim Menschen wird kein Röhrchen mit Unterdruck angebracht, da dies bei Kleintieren nicht funktioniert. Das Röhrchen wird unter die Öffnung der Einmalnadel gehalten und das Blut tropft in das Blutröhrchen.

Wenn ausreichend Blut entnommen wurde, öffnet man den Staustrick entfernt die Einmalkanüle und übt mit einem Tupfer solange Druck auf die Entnahmestelle aus, bis es nicht mehr nachblutet. In manchen Fällen ist ein kleiner Druckverband notwendig. 

      Resultat

Das Resultat der Blutabnahme
Die entnommene Blutprobe befindet sich in einem EDTA Blutröhrchen. Dieses wird vorsichtig hin und her geschwenkt, so dass sich der Gerinnunghemmer EDTA überall im Röhrchen verteilen kann. Wichtig ist es hierbei, das Röhrchen nicht zu schütteln, da dabei die Gefahr der Zellzerstörung besteht. 

      Beschriftung

Die Kennzeichnung der Blutproben
Um Verwechslungen mit anderen Blutproben zu vermeiden, wird die Blutprobe umgehend mit der jeweiligen Patienten-ID beschriftet.

Die Untersuchung der Blutproben im hauseigenen Labor

                                           Blutproben

Das Blut von Katzendame Britta wurde in zwei unterschiedlichen Röhrchen gesammelt, da für die insgesamt drei benötigten Blutgeräte unseres Labors das Blut in bestimmter Form nötig ist. Für unsere Patientin sollte ein Blutbild, zur Beurteilung der einzelnen Blutplättchen erstellten werden, wofür das Blut in Reinform benötigt wurde. 

Für diese Untersuchung wurde das Blut in einem Röhrchen mit dem Gerinnungshemmer EDTA aufgefangen.

Für die Untersuchung der einzelnen Organwerte und des Schilddrüsenwertes (zwei unterschiedliche Geräte) wird nur der flüssige Bestandteil des Blutes benötigt, also das Serum. Hierfür wurde unsere Probe zentrifugiert, was zur Folge hat, dass sich die schweren Bestandteile (Blutplättchen) im Röhrchen nach unten setzen und der flüssige Bestandteil oben bleibt (siehe im Bild links), wodurch dieses dann mit einer Pipette abgenommen werden kann.

Erstellung des Blutbildes

Informationen Computer  Organwert  Ergebnisse

Für das Blutbild werden erst die Patientendaten in das Gerät eingepflegt, dann wird die Blutprobe in das Gerät gestellt. Bereits nach wenigen Minuten ermittelt das Gerät ein Ergebnis.

Die Organwerte

 Zentrifuge  Blutplättchen  Serum
Hierfür wird das Blut bei  6000 Umdrehungen/Minute 3 Minuten zentrifugiert. Den selben Effekt würde man erreichen, wenn man das Röhrchen einige Stunden stehen lässt, die Zentrifuge ist somit deutlich schneller. Auch bei diesem Gerät werden zuerst die Patientendaten eingegeben. Für die Untersuchung benötigt das Gerät neben der Blutprobe auch Trägerplättchen, die wir je nach gewünschtem Organwert in das Gerät geben.

Der Schilddrüsenwert

 Reagenz  Serum  Blutgerät
Auch für diesen Wert wird Blutserum benötigt. Um die Untersuchung durchzuführen benötigt das Gerät zusätzlich Reagenzie, die im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen. Diese Reagenzien sollen allerdings vor Beginn des Testes 10 Minuten bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Wenn das Mittel aufgewärmt ist, wird mit einer Pipette Serum hinzugefügt und das Röhrchen wird mit einer Patrone verschlossen und in das Gerät gegeben.  Selbstverständlich wird auch bei diesem Gerät die Information zum tierischen Patient eingegeben.

Das Ergebnis der Blutuntersuchung

Alle Befunde werden automatisch an den Computer übersandt  und können dann direkt vom Tierarzt beurteilt werden. Nachdem alle Befunde vorhanden waren, bat man Brittas Frauchen wieder ins Behandlungszimmer ein, sodass die Ergebnisse in Ruhe besprochen werden konnten.

Im Blutbild und auch in den organischen Werten konnten einige altersbedingten Veränderungen festgestellt werden, die aber zum dortigen Zeitpunkt nicht behandlungsrelevant waren.  Nur der Schilddrüsenwert lag oberhalb des Referenzbereiches. Diese Erhöhung kann für die Gewichtsabnahme sprechen. Darum stellte man Britta vorsorglich auf Medikamente ein. Nach 14 Tagen sollte der Wert nochmal überprüft werden, um zu schauen, ob die Dosierung ausreichend ist oder ob der Behandlungsplan angepasst werden muss.

© Janina Franzen, Tiermedizinische Fachangestelte, AniCura
    Kleintierzentrum Mayen