Meine Hürden in der Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten

Nach meinem Abitur habe ich die Entscheidung getroffen, Tiermedizin zu studieren, weil ich Tiere hochspannend finde und mir so auch die Arbeit mit ihnen vorstellte.

Leider gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Studienplätzen und der Notendurchschnitt erschwert es zusätzlich, einen dieser begehrten Plätze zu bekommen. Es war also klar, dass ich wohl etwas warten muss, um den Plan in die Tat umzusetzen. Nun galt es also, diese Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, da lag die Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) nahe.

Auch in diesem Bereich sind die Ausbildungsplätze, zumindest in unserer Region, recht rar gesät und wegziehen wollte ich nicht unbedingt (stände mir ja schon fürs Studium bevor). Trotzdem hatte ich Glück und ergatterte einen tollen Ausbildungsplatz in einer kleinen, netten Tierarztpraxis. Wie sich später herausstellte, hatte ich auch im Vergleich zu manchen Klassenkameradinnen in der Berufsschule Glück mit meinem Ausbildungsbetrieb. Zugegeben, so spannend wie in einer Tierklinik war es bestimmt nicht, aber ich durfte wirklich vieles machen und war nicht hauptsächlich Putzkraft, wie manche Mitschülerinnen von sich behaupteten. Ich hatte zwei nette Chefinnen und eine wunderbare Kollegin, alle haben mir gerne Neues gezeigt und auch zugetraut.

Von Injektionen und Gedächtnistraining 

Wie die meisten Azubis am Anfang, war auch ich ziemlich aufgeregt und mit der neuen Situation und dem enormen Input etwas überfordert. Täglich gab es neue spannende Fälle, neue Menschen und Tiere, sowie interessante Aufgaben. Aufgrund der wenigen Mitarbeiter in einer kleinen Praxis sollte man schnell viel lernen, um das Team tatkräftig unterstützen zu können. Manchmal klappt das gut und manchmal eben weniger gut ... So sollte ich mir doch tatsächlich fremdartige Medikamentennamen und deren Menge, die ich mit der Spritze aufziehen sollte, auf dem Weg vom einen in den anderen Raum merken – eine Meisterleistung (ganz zu Beginn sollte ich die Flaschen noch holen und dann unter Betreuung aufziehen). Ich bin dann in der zweiten Stufe mit schnellem Schritt und die Informationen in Gedanken wiederholend in den nächsten Raum geflitzt, sobald mich allerdings auf dem Weg unerwartet jemand angesprochen hat oder etwas Unvorhergesehenes passiert ist, war alles weg.

Hatte ich es aber tatsächlich bis in den Raum geschafft, griff ich sofort zu Stift und Zettel, um alles aufzuschreiben, denn dann kam die nächste Hürde. Nein, das Aufziehen des Medikamentes war nicht das Problem, vielmehr das Auffinden der richtigen Flasche.  Natürlich musste ich erst alle Flaschen aus dem Kühlschrank ziehen um dann am Ende die Richtige zu finden. (Keine Sorge, ich war und bin sehr gewissenhaft, wenn ich mir nicht 100% sicher war, dann habe ich immer nachgefragt. Auch wenn ich mir bei jedem Nachfragen ziemlich blöd vorkam und ziemlich sauer auf meine schwache Gedächtnisleistung war, hätte ich es niemals riskiert, das falsche Medikament aufzuziehen und damit unter Umständen dem Tier zu schaden). Natürlich kam ich ziemlich schnell auf die Idee, mir Stift und Zettel in die Tasche zu stecken, sobald man allerdings ungeplant die Kleidung wechseln musste, waren auch diese Hilfsmittel fort.

      Ausbildung 1  Ausbildung 2

Englische Hürden in der Tierarztpraxis

Für mein Gehirn kam erschwerend zu diesen Merkaufgaben hinzu, dass wir in unserer Praxis viele amerikanische Kunden hatten, da in der Nähe eine Militärbasis war. Natürlich hatte ich Englisch in der Schule, aber in der Kommunikation in der Tierarztpraxis war das manchmal nur bedingt hilfreich und das fängt schon bei den einfachsten Begriffen an. Wer weiß denn zum Beispiel bitte, durch klassisches Schulenglisch, was Heu und Stroh auf Englisch heißt? (Für alle diejenige, die sich das jetzt auch fragen: hay and straw – ziemlich naheliegend eigentlich.) Hinzu kommen natürlich noch medizinische Begriffe, die Bezeichnung von Körperregionen und auch Hunderassen, die im Englischen manchmal ganz anders benannt werden z.B. heißt der Mops auf Englisch nicht Mops sondern pug.

Tiergeschlechter werden von den meisten amerikanischen Tierhaltern ganz einfach und verständlich als „boy“ und „girl“ benannt. Manche wussten es jedoch besser – ganz im Gegensatz zu mir……So war ich einmal doch sehr überrascht, als eine Hundehalterin als Antwort auf die Frage nach dem Geschlecht sagte: „it´s a bitch“. Ich hatte schließlich nicht mit einer so offenkundigen und für mich völlig grundlosen Beschimpfung ihres entzückenden Hundes gerechnet, wobei das Geschlecht dann auch klar war….

In solchen Fällen gilt es natürlich Contenance zu bewahren und sich nicht anmerken zu lassen, dass einen die Äußerung total überrascht hat. Natürlich bestand meinerseits ganz klar noch Übungsbedarf und die Notwendigkeit sich über solche Situationen mit Kollegen auszutauschen. Kurz darauf stand ich also mit fassungslosem Gesicht (diesmal durfte ich so schauen) vor meiner Kollegin und erzählte ihr von der Dame, die wie selbstverständlich ihren eigenen Hund beschimpft hatte. Sie brach in schallendes Gelächter aus und musste sich vor Lachen über meine Empörung den Bauch halten, bis sie sich beruhigt hatte und mir erklären konnte: „Es handelte sich dabei um die korrekte zoologische Bezeichnung der Hündin im Englischen.“ Dies nahm ich zum Anlass mir ein Vokabelheft für die Tierarztpraxis zu schreiben, wann immer möglich das Gespräch mit unseren amerikanischen Patientenhaltern zu suchen und in meiner Freizeit englische Bücher zu lesen. Das Vokabelheft hat sich übrigens bewährt und wurde gut gefüllt an die nächste Azubine weitergereicht.

Die Tiermedizin und ich

Ja, es gab viel zu lernen und man lernt ja bekanntlich nie aus, denn der Beruf einer TFA vereint viele spannende Aufgabengebiete. Leider wird dieser Job oft ziemlich unterschätzt, dabei ist man die linke und in manchen Fällen sicher auch die rechte Hand des Tierarztes und an schlechten Tagen auch mal das Gehirn.

Ich habe mich nach Beendigung meiner Ausbildung letztendlich doch für einen anderen Berufsweg entschieden. Dies lag sicher nicht daran, dass der Beruf der Tierärztin nicht interessant wäre, sondern eher an meiner Angst (ggf. falsche) Entscheidungen über Tierleben zu treffen. Als ich später im Büro einer Tierklinik arbeitete, saß ich unheimlich gern mit den Mitarbeitern beim gemeinsamen Mittagessen und lauschte gespannt ihren Geschichten und stellte viele Fragen über ihre Arbeit an der Front. Der Kontakt zu meiner Ausbildungspraxis besteht nach wie vor und bei Besuchen dort fühle ich mich jedes Mal wie mit einer Zeitmaschine in die Anfänge meine Ausbildungszeit zurückversetzt und bin sogar etwas aufgeregt.

© Kathrin Brenner, Marketing Coordinator, AniCura DACH