Gelenkersatz für Katzen: Künstliche Hüfte ermöglicht Samtpfoten wieder ein agiles Leben!

Seit mehr als einem Jahr können auch Katzen ein unzementiertes künstliches Hüftgelenk bekommen. „Bis 2020 wurden nur für große Hunde passende Prothesen hergestellt – jetzt endlich auch für kleine Hunde und Katzen“, erklärt Dr. Diane Meiler, Chefärztin der Chirurgie in der AniCura Tierklinik Haar. „Zementfreie Implantate sind einfach viel besser!“ Bis heute hat sie mehr als zehn Miezen durch das Gelenkimplantat ein neues, schmerzfreies und agiles Katzenleben ermöglicht. Und die Warteliste wächst stetig an.

Hüftprobleme bei Katzen sind leider gar nicht so selten. Vor allem Maine Coon- und British Shorthair-Rassekatzen können bereits mit wenigen Monaten, im ersten oder zweiten Lebensjahr durch eine Durchblutungsstörung der Wachstumsfuge eine sogenannte slipped capital femoral epiphysis (SCFE) ausbilden, und kommen in der Regel mit massiven Bewegungsproblemen an den Hinterbeinen in die Praxis oder Tierklinik. „Der Leidensdruck der jungen Katze, die nicht springen und spielen kann und Schmerzen hat, ist enorm groß“, weiß Dr. Meiler. Die Chirurgin ist sichtlich erleichtert, dass sie den Samtpfoten und ihren besorgten Besitzern jetzt eine adäquate Therapie anbieten kann. Mensch und Tier nehmen teils lange Anfahrten in Kauf, um diese neue Operationsmethode vornehmen zu lassen.

Ein streichholzgroßer Gelenkersatz

Die AniCura Tierklinik Haar in München gehört zu den ersten zehn Kliniken weltweit, die den Gelenkersatz – nicht größer als ein Streichholz – bei Katzen implantieren. Zementfrei wird ein neuer Schaft im Oberschenkelknochen fixiert. Auch die Gelenkpfanne wird durch ein Implantat ersetzt und die beiden Komponenten dann durch einen passenden Kopf und Hals verbunden. Nicht anders als beim Menschen.

„Die poröse Oberfläche der Hightech-Prothese ermöglicht durch eine spezielle Beschichtung ein schnelles Einwachsen des körpereigenen Knochens und damit lebenslange stabile Fixation auch bei starker Belastung“, erklärt Tierärztin Dr. Meiler. Nicht länger als 90 Minuten benötigen sie und ihr Team für die OP.

Sensationelle erste Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse der operierten Katzen könnten besser nicht sein, berichtet Dr. Diane Meiler. „Die Komplikationsrate scheint sogar unter der für Hunde zu liegen. Wir sind sehr zufrieden!“ Die größte Herausforderung sei eigentlich erst der Heilungsprozess – denn die in der Regel jungen Kätzchen dürfen etwa acht Wochen nicht springen, spielen oder herumtoben. Die Ärzte verordnen „Bettruhe“ in der Katzenbox oder moderate Bewegung im umgedrehten Kinderlaufstall. „Unsere Patienten sind da leider nicht so einsichtig“, überlegt Dr. Meiler und lächelt. „Verständlich: Der Schmerz ist weg und die Katze kann und will sich endlich wieder bewegen.“

Wer aber die Schonzeit nach der OP hinter sich gebracht hat, hüpft und springt wie neu geboren. „Lebensfreude pur!“, berichten glückliche Katzenbesitzer.

Künstliches Hüftgelenk Katze